Wir müssen den Gürtel weiter schnallen. Die Deutschen werden dicker.

Neue Zahlen zu Übergewicht in der Bevölkerung hierzulande zeigen, dass die Deutschen weiterhin schwerer werden. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelte 2013 in einem Mikrozensus zur Gesundheit neben Daten zum körperlichen Zustand, Rauchgewohnheiten und Arbeitsalltag auch die Körpermaße.

Die Menschen in Deutschland werden dicker. Einer der Gründe dafür ist der Mangel an Bewegung. (Foto: iStock/sculpies)

So liegen nun Werte zu Körpergröße, -gewicht und Body-Mass-Index von Erwachsenen ab 18 Jahre vor. Am 5. November 2014 wurden die Ergebnisse veröffentlicht: 62 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen sind übergewichtig mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kg/m². Im Jahr 1999 brachten nur 56 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen zu viele Kilos auf die Waage. Insgesamt ist gemäß diesen Zahlen der Anteil von Übergewichtigen von 1999 bis 2013 um vier Prozentpunkte angestiegen − also von 48 auf 52 Prozent.

Der Anteil von Männern und Frauen mit einem BMI über 30 kg/m² lag bundesweit bei 15,7 Prozent. Diese Menschen werden als adipös, also stark übergewichtig, eingestuft. Die bereits bekannten Phänomene wurden auch in diesem Mikrozensus bestätigt. So ist die Zahl der übergewichtigen und adipösen Menschen größer bei Personen ohne Arbeit als bei Erwerbstätigen. Ledige Männer und Frauen in allen Altersgruppen sind schlanker als verheiratete, verwitwete oder geschiedene.

Der Gesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts (DEGS; 2008 – 2011) ergab noch höhere Anteile bei Übergewicht und Adipositas als der aktuelle Mikrozensus. Gemäß DEGS sind 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig. Adipositas liegt bei 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen vor. Diese höheren Werte erklären sich eventuell durch die Art und den Umfang der Datenerhebung. Im Mikrozensus geben die angeschriebenen Haushalte mit insgesamt 683.000 Personen ihre Werte in der Befragung selbst an, während in der DEGS-Studie die Maße von 8.152 Erwachsenen eingingen, die an dieser Studie an 180 Untersuchungsorten teilnahmen. Die Daten wurden also von Untersuchungsteams erhoben. Zwischen 1998 und 2013 hat gemäß dem DEGS-Survey der Anteil adipöser Menschen bundesweit um ein Fünftel zugenommen.  Die Studie zeigte auch eine Zunahme an Patienten mit Diabetes.

Interessant im jüngsten Mikrozensus ist der erneute Unterschied zwischen den Bundesländern beim Anteil adipöser Menschen: Spitzenreiter mit 20,6 Prozent ist Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 20,2 und Thüringen mit 18,1 Prozent der Bevölkerung. Den niedrigsten Anteil hat der Stadtstaat Hamburg mit 11,1 Prozent. In Sachsen haben 38,6 Prozent der „Landeskinder“ einen BMI im Bereich von Übergewicht (25 – 30 kg/m²) und 16,9 Prozent gelten mit einem BMI von 30 und mehr als adipös. Insgesamt ist der Osten also etwas dicker als der Westen.

Trotz all dieser ernüchternden Zahlen muss klar sein, dass ein erhöhter BMI alleine noch nicht bedeutet, dass die Betroffenen krank sind. Die Werte sind aber ein Hinweis, dass weitere Untersuchungen z. B. des Stoffwechsels folgen sollten, um abzuklären, ob gewichtsbedingte Erkrankungen vorliegen. Generell ist die Zunahme von Übergewicht und Adipositas verbunden mit wachsenden Zahlen an Diabetes-Patienten (Typ 2) und weiteren Adipositas-assoziierten Erkrankungen wie Fettleber, Gefäßleiden und Bluthochdruck. So leiden bereits mehr als 7 Prozent der Deutschen an Diabetes  – Tendenz steigend. Bedenklich ist außerdem, dass unter den Menschen mit starkem Übergewicht die Gruppe mit höheren Adipositasgraden und hohen BMI-Werten wächst. In dieser Gruppe ist das Risiko, an Adipositas-assoziierten Leiden zu erkranken, stark erhöht.

Die Erhebungen enthüllten aber auch Positives: So ist gemäß dem Mikrozensus der Anteil von Nichtrauchern seit 2009 um vier Prozent angestiegen; nur 35 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen greifen noch zur Zigarette. In der DEGS-Studie zeigte sich außerdem ein Trend zu mehr körperlicher Bewegung – bereits ein Viertel der Erwachsenen treibt regelmäßig etwa zwei Stunden die Woche Sport.

Schlüsselwörter: Gesellschaft & Soziales

Doris Gabel