Wenn die Luft wegbleibt.

Starkes Übergewicht erhöht die Gefahr für Atembeschwerden und Asthma.

Menschen mit Adipositas leiden häufiger an Atemnot und Asthma als normalgewichtige Personen. Asthma bronchiale ist eine chronische, entzündliche und anfallsartig auftretende Erkrankung der Atemwege. Es gibt meist eine auslösende Substanz (Pollen, Milben, chemische Stoffe), auf die der Betroffene allergisch mit einem Asthmaanfall reagiert. Da diese Erkrankung in manchen Familien gehäuft auftritt, ist auch von einer erblichen Komponente auszugehen.

Adipöse Menschen bekommen schlechter Luft

Adipöse Patienten müssen mehr Atemarbeit betreiben, um genug Sauerstoff zu bekommen. Denn Übergewicht belastet nicht nur Herz- und Kreislauf, sondern auch die Lungen. Große Depots von Fettgewebe auf dem Brustkorb erschweren die Atmung und verkleinern das Volumen der Lunge. Fettgewebe im Bauchraum beeinträchtigt zusätzlich Zwerchfell und Lungenvolumen. Zugleich steigt aber der Sauerstoffverbrauch mit den Kilos, da mehr Gewebe mit Blut und Sauerstoff versorgt werden muss. Deshalb kommen adipöse Menschen bei körperlicher Anstrengung schneller außer Atem. Auch in Rückenlage leiden viele Betroffene unter Atemnot. Nächtliche Atembeschwerden und Atmungsaussetzer (Schlafapnoe) treten bei stark übergewichtigen Menschen öfter auf. Wissenschaftler gehen außerdem davon aus, dass das Fettgewebe neben der räumlichen Beeinträchtigung der Lungenflügel zusätzlich bestimmte Botenstoffe bildet, die ein bestehendes Asthma verschlimmern.

Einige Ärzte warnen allerdings, dass bei übergewichtigen Patienten, Atembeschwerden vorschnell als „Asthma bronchiale“ diagnostiziert werden, ohne dass tatsächlich eine Überempfindlichkeit der Bronchien vorliegt. Eine Forschergruppe um Dr. Stephen Scott von der Universität Liverpool fand in einer Beobachtungsstudie (1) bei 91 adipösen Patienten mit Atemnot heraus, dass bei rund einem Drittel Asthma bronchiale eine Fehldiagnose war.

Wie häufig tritt Asthma auf?

Während eines Asthmaanfalls verengen sich die Bronchien krampfartig, sodass die Betroffenen ein großes Beklemmungsgefühl haben und kaum Luft bekommen. Oft liegt eine erhöhte Empfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien gegenüber verschiedenen Reizen, wie z. B. Pollen, vor. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) geht davon aus, dass bei übergewichtigen Menschen mit einem Body Mass Index über 25 kg/qm Asthma um 50 Prozent häufiger auftritt als bei Normalgewichtigen und bei adipösen Männern und Frauen sogar doppelt so häufig. Je mehr ein Mensch wiegt umso größer wird also sein Risiko, an Asthma zu erkranken. Bei stark übergewichtigen Asthmatikern liegt in etwa der Hälfte der Fälle außerdem ein schweres Asthma vor; bei Normalgewichtigen nur bei 19 Prozent.

Therapieansätze bei Asthma

Daraus folgt, dass sich Atembeschwerden und Asthma auch durch einen Gewichtsverlust, also eine langfristige Umstellung von Ernährung und Bewegung, verbessern lassen. Eine bereits bestehende Asthmaerkrankung kann sich hingegen durch steigendes Körpergewicht verschlimmern; dasselbe gilt auch fürs Rauchen.

Bei Asthma bronchiale kommen verschiedene Medikamente wie z. B. Bronchien-erweiternde Atemsprays (Betamimetika) gegen Asthmaanfälle sowie Kortisonhaltige Mittel und Anticholinergika zum Einsatz. Die Patienten erhalten auch eine spezielle Atemschulung. Durch die Messung des Luftflusses beim Ausatmen (Peak-Flow-Messung) können die Betroffenen beginnende Anfälle erkennen. Bei allergischem Asthma gilt es außerdem den Allergieauslöser zu meiden oder wenn möglich eine Desensibilisierungsbehandlung zu durchlaufen.

(1) Scott, S. et al.: Risk of Misdiagnosis, Health-Related Quality of Life, and BMI in Patients Who Are Overweight With Doctor-Diagnosed Asthma. Chest 2011; doi:10.1378/chest.11-0948

Doris Gabel

Schlüsselwörter: Folgeerkrankungen