Bluthochdruck – die stille Gefahr

Adipöse Menschen leiden häufiger an Bluthochdruck als normalgewichtige. Das IFB informiert über Ursachen und Folgen.

luthochdruck ist eine echte Volkskrankheit; jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat einen erhöhten Blutdruck. Schon lange ist bekannt, dass starkes Übergewicht (Adipositas), das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen nachdrücklich erhöht. Mediziner gehen davon aus, dass 30 bis 60 Prozent der Bluthochdruckleiden auf Über­gewicht zurückgehen. Bei stark übergewichtigen Menschen kommt dieses Leiden deshalb drei Mal häufiger vor als bei normalgewichtigen. Vom primären Bluthochdruck sprechen Ärzte, wenn dieser nicht durch eine vorliegende Erkrankung bedingt ist. Dann ist von genetischen Ursachen auszugehen.

Ursachen für Bluthochdruck (Hypertonie) bei Adipositas

Zum einen ist die Belastung für das Herz und den Kreislauf bei Adipositas erhöht, da eine größere Körpermasse mit Blut versorgt werden muss. Zum anderen fördert v. a. das bauch­betonte Fettgewebe Entzündungsprozesse im Körper. In den Blutgefäßen führen diese Prozesse zu frühzeitiger Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Die Gefäße verlieren dabei an Elastizität und es bilden sich Ablagerungen an der Gefäßwand, was ebenfalls den Blutdruck steigen lässt. Viele stark übergewichtige Patienten haben außerdem erhöhte Blutfettwerte (Triglyceride, LDL-Cholesterin), die die Gefäßwände noch zusätzlich belasten und die Arterio­sklerose vorantreiben. Eine Verengung der Gefäße führt schließlich zu Durch­blutungsstörungen. Dies schädigt die inneren Organe, v. a. Herz und Nieren.

Bei Menschen mit einem hohen Body-Mass-Index ist oft auch der Stoffwechsel beeinträchtigt, sie produzieren zuviel von dem Blutzucker-senkenden Hormon Insulin. Grund dafür ist meist, dass die Körperzellen nur noch unzureichend auf dieses Hormon reagieren und der Körper es deshalb übermäßig ausschüttet.  Eine Wirkung von Insulin ist u. a., den Abbau eines bestimmten Eiweißstoffes (ANP, Atriales Natriuretisches Peptid) zu fördern. ANP reguliert im menschlichen Körper den Blutdruck. Bei adipösen Männern und Frauen liegt oft ein verringerter ANP-Spiegel vor, sodass der Blutdruck in der Folge steigt.

Am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen erforschen und behandeln die Adipositas-Experten deshalb nicht nur starkes Übergewicht sondern auch dessen Begleiterkrankungen. Diabetes oder Bluthochdruck werden bei Patienten in den AdipositasAmbulanzen mit therapiert. Gelingt es dem Patienten Gewicht zu verlieren, lindert dies auch Diabetes und Hypertonie. Prof. Mathias Fasshauer untersucht am IFB außerdem einen besonderen Fall des Bluthochdrucks – nämlich Hypertonie während der Schwangerschaft (Präeklampsie) und seine eventuellen Ursachen im Fettgewebe der betroffenen Frau.

Weitere Faktoren verschlimmern Hypertonie

Bekannt ist, dass sich Rauchen negativ auf den Blutdruck auswirkt, da es die Blutgefäße belastet und Arteriosklerose fördert. Auch Stress und psychische Belastungen stehen im Verdacht, den Blutdruck zu steigern. Ein Typ-2-Diabetes kann außerdem Arteriosklerose und Bluthochdruck verschlimmern. Darüber hinaus gilt ein übermäßiger Alkoholkonsum als Blut­druck-steigernd. Ebenso führt zu viel Kochsalz in der Nahrung bei einigen Menschen zu höheren Blutdruckwerten.

Bemerkbar macht sich ein überhöhter Blutdruck durch Beschwerden wie Schwindel, Ohren­sausen, Herzklopfen, Sehstörungen, Atemnot, Schweißausbrüche oder Bewusstseins­trübungen. Diese Beschwerden verschwinden, wenn der Blutdruck sich wieder normalisiert. Eine unbehandelte dauerhafte Hypertonie kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Bluthochdruckpatienten haben ein doppelt bis vierfach erhöhtes Risiko für Schlag­anfall, Herzinfarkt, Herzversagen und Arteriosklerose.

Bluthochdruck gilt als tückisches Leiden, da er zunächst keine Beschwerden verursacht und somit lange unentdeckt bleiben kann. Deshalb sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden und eine blutdrucksenkende Therapie frühzeitig einsetzen.

Blutdruckwerte

(Gemessen wird der Blutdruck in Millimeter-Quecksilbersäle = mmHg ) Obere / Systolische Werte Untere / Diastolische Werte
Optimaler Blutdruck unter 120 unter 80
Normaler Blutdruck unter 130 unter 85
Bluthochdruck ab 140 ab 90

Achtung: Bei adipösen Patienten kann eine zu kleine Blutdruckmanschette am Messgerät die Werte verfälschen.

Doris Gabel

Schlüsselwörter: Folgeerkankungen