Fakten zum Thema Adipositas

Im dritten Teil der Reihe "Mythen, Vermutungen und Fakten zum Thema Adipositas" widmet sich das IFB diese Woche den Fakten.

Diese Woche widmet sich das IFB im "Aktuellen Thema" den Tatsachen – den Fakten – bei den Themen Übergewicht, Diäten und Schwitzen im Fitness-Studio. Wissenschaftler der Universität in Birmingham/Alabama, USA hatten im New England Journal of Medicine einen Artikel veröffentlicht, der in den vergangenen Wochen kontroverse Meinungen auf den Plan gerufen hat. In der Untersuchung wird der Wahrheitsgehalt von Abnehmweisheiten und anderen populären Annahmen über Adipositas angezweifelt. Die Autoren wollten in ihrer Untersuchung u. a. herausfinden, ob Vermutungen wie „regelmäßiges Frühstücken oder mehr Gemüse und Obst helfen beim Abnehmen“ der Wahrheit entsprechen. Sie stellten sich die Fragen: „Was sind Mythen, was konnte nicht bewiesen werden und was stimmt wirklich?“ Um das herauszufinden, haben die Forscher um David Allison, Professor für Biostatistik an der Universität in Birmingham, USA Laien- und Fachmedien unter die Lupe genommen und die populärsten Weisheiten zum Thema Übergewicht gesammelt und analysiert. Erfahren Sie im folgenden Review, welche Fakten über Adipositas als gesichert gelten:

Fakt Nr. 1: Was beim Abnehmen hilft, hilft auch beim Halten des Gewichts.

Wenn eine Methode dazu geführt hat, dass Gewicht reduziert werden konnte, dann hilft diese auch den erreichten Gewichtsverlust beizubehalten. Ob durch Low Carb (wenig Kohlehydrate), den Verzicht auf Fett oder das genaue Zählen der Kalorien – die Flut an die Diäten verspricht viel, eine allgemein anerkannte Diät, die hält, was sie verspricht, ist noch nicht gefunden. Noch immer gibt es kein allgemeines „Heilmittel“ gegen Übergewicht oder eine Methode, mit der die meisten krankhaft Übergewichtigen dauerhaft Abspecken können. In zahlreichen Studien zeigte sich jedoch, dass eine Diät nicht nur zeitweise das Leben ändern sollte, sondern auch nachdem die ersten Pfunde gepurzelt sind, unbedingt beibehalten werden muss. Dabei sollte eine Diät nicht als zeitweise Therapie sondern als „diätische Anpassung“ der Lebensweise verstanden werden

Fakt Nr. 2: Programme für Kinder sollten sich auch an Eltern richten, damit sie erfolgreich sind.

Tatsächlich bringen Abnehmprogramme für Kinder nur dann etwas, wenn auch die Eltern mit in die Maßnahmen eingebunden werden. Werden sie aktiv mit einbezogen, zeigen sich deutlich bessere Ergebnisse bei den Abnehmkuren, als bei Kindern, die auf sich alleine gestellt sind bzw. nur in der Schule mit neuen Essgewohnheiten konfrontiert werden. In vielen Studien konnte bewiesen werden, dass es kaum nützlich ist, wenn Kinder versuchen abzunehmen, die Eltern jedoch weiter fette und kalorienreiche Nahrungsmittel zubereiten.

Fakt Nr. 3: Wer Schwächen erkennt und gezielt angeht, hat Aussicht auf Erfolg.

Klingt wie ein Kalenderspruch, hat jedoch einen wissenschaftlich bewiesenen Kern. Ein individueller Ansatz, der gezielt die Schwächen des Einzelnen erkennt, verspricht bessere Chance auf purzelnde Pfunde. Stress-Esser brauchen demnach vor allem eine intensive psychologische Betreuung mit Entspannungstraining. Menschen, die zwanghaft ihren Teller leer essen müssen, obwohl sie keine Hunger mehr haben, brauchen vor allem kleinere Portionen. Wer Gewohnheiten dementsprechend anpasst, kann längerfristig sein Gewicht reduzieren.

Fakt Nr. 4: Begrenzte Portionen versprechen höhere Erfolgschancen.

Es hat sich in vielen Studien gezeigt, dass vor allem Diäten mit genau abgemessenen, kalorienreduzierten Mahlzeiten oder Diät-Drinks erfolgreicher sind, als jene Programme, die einfach nur eine ausgewogene Ernährung empfehlen. Dies ist nicht wirklich eine außergewöhnliche Erkenntnis: vor allem bei schwer übergewichtigen Menschen hat sich gezeigt, dass fertig portionierte Mahlzeiten und Ersatzmahlzeiten in den Anfangsmonaten sehr schnell zu einem signifikanten Gewichtsverlust führen können.

Fakt Nr. 5: Bewegung hilft dabei, langfristig schlank zu bleiben.

Laufen, Wandern, Radfahren, Spazierengehen oder Crosstrainer. Körperliche Aktivität und jeglicher Sport unterstützen jede Diät und helfen dabei, dauerhaft schlank zu bleiben. Es gibt einer Studie zufolge nur eine Bedingung: Die Bewegungseinheiten müssen regelmäßig wiederholt werden und einem gewissen Umfang entsprechen. Ohne Sport baut der Körper bei einer Diät, die massiv in die Essgewohnheiten der Betroffenen eingreift, sehr schnell Muskelmasse ab. Es werden Sparprogramme aktiviert und schließlich wird weniger Energie verbrannt. Mit Bewegung kann der Körper trainiert werden, dass er auch in Ruhephasen Kalorien verbrennt. Nur mit Sport lässt sich jedoch das Gewicht auch nicht dauerhaft reduzieren.

Fakt Nr. 6: Adipositas-Operationen sind sinnvoll.

Chirurgische Eingriffe bei an Adipositas erkrankten Patienten (z. B. Magenverkleinerung) sind ein drastisches Mittel im Kampf gegen krankhaftes Übergewicht. Für Menschen, die bereits an einer durch krankhaftes Übergewicht verursachten Folgeerkrankung wie Diabetes Typ II, Herz-Kreislauf-Problemen u. a. leiden, ist eine Adipositas-Operation jedoch auch ein Mittel, schnell viel Gewicht zu verlieren und somit schneller wieder gesünder zu werden. Wenn konservative Methoden, wie Diäten in Kombination mit Bewegungsprogrammen nicht mehr helfen, kann dieser sogenannte bariatrische Eingriff vorgenommen werden. In vielen Studien zeigte sich, dass mit einer solchen Operation das Krankheitsbild der Patienten enorm verbessert werden konnte.

Diese sechs Tatsachen gelten laut Prof. Allison und seinem Team als wissenschaftlich belegt. Dennoch bleiben weiter Fragen zu diesem komplexen Problem offen. Es ist erstaunlich, wie wenig fundiertes Wissen es schließlich trotz intensiver Forschung und einer großen Anzahl Betroffener über Übergewicht und Fragen ums Abnehmen wirklich gibt. Eine allgemein gültige Formel für das wirksame Reduzieren von Übergewicht ist noch nicht gefunden. Die bereits gesammelten Fakten sprechen bisher von einer Anpassung der Lebensgewohnheiten in ihrer Gesamtheit und damit von einer guten Kombination aus Bewegung und kalorienreduzierter Kost.

Review von Annekathrin Härter

Wer den ganzen Artikel lesen möchte, findet diesen unter folgendem Link:
Allison et al.: 'Myths, presumptions and facts about obesity' unter: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsa1208051