„Pfunde“ und andere Vermutungen zum Thema Adipositas

Das IFB informiert Sie im zweiten Teil des Reviews über die populärsten Vermutungen zum Thema Adipositas.

Ein Wissenschaftlerteam aus Birmingham, USA, hat in Fach- und Laienmedien recherchiert und populäre Mythen, Vermutungen und Fakten zum Thema Adipositas analysiert und im New England Journal of Medicine eine Übersicht veröffentlicht und diskutiert. Das IFB präsentiert die Ergebnisse der Forscher in drei aufeinanderfolgende Blogs wöchentlich im aktuellen Thema. Letzte Woche informierte das IFB über die bekanntesten Mythen zum Thema Übergewicht. Neben diesen Mythen, die sich durch Studien widerlegen lassen, gibt es eine Reihe Vermutungen zu den Themen Übergewicht, Abnehmen und Diäten, die bis jetzt wissenschaftlich unbewiesen sind, die jedoch über mediale Kanäle immer wieder als Fakten vermittelt werden. Die folgenden fünf populärsten Vermutungen möchten wir Ihnen im Folgenden gern vorstellen:

Lieber regelmäßiger essen, als das Frühstück auszulassen

Eine verbreitete Vermutung lautet: wer regelmäßig isst, tut etwas gegen Übergewicht und mehr für seine Gesundheit. Mahlzeiten auslassen, wie z. B. das Frühstück ist hingegen schlecht. Ob sich das Einhalten eines Frühstücks positiv auf das Gewicht auswirkt, lässt sich durch Studien nicht zweifelsfrei belegen. Auch konnte nicht bewiesen werden, dass die regelmäßige Einnahme von kleinen Mahlzeiten sich positiver auf das Gewicht auswirkt als wenige große Mahlzeiten. In den Untersuchungen zeigte sich, dass es vor allem darauf ankommt, was zu den Mahlzeiten verzehrt wird und nicht wie oft gegessen wird.

Falsche Ernährungsweise wird bereits im Kindesalter erlernt

„Falsche Ernährung wird bereits in der Kindheit erlernt“, lautet eine weitere Vermutung zum Thema Übergewicht. Doch es konnte in keiner Studie gezeigt werden, dass allein das erlernte Bewegungs- und Essverhalten in frühester Kindheit verantwortlich ist für Übergewicht im Erwachsenenalter. Forscher gehen davon aus, dass vor allem Gene in Zusammenhang mit dem sozialen Verhalten eine Rolle spielen, das erlernte soziale Verhalten allein jedoch kein Grund für Übergewicht im Erwachsenenalter ist. Auch am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen beschäftigt sich ein Team von Psychologen mit dem Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Eltern und den Essgewohnheiten ihrer Kinder.

Gemüse und Obst helfen beim Abnehmen

Viele Menschen denken, dass allein der Verzehr von Obst und Gemüse beim Abnehmen hilft. Doch auch diese Lebensmittel haben Kalorien. Wer Früchte und Gemüse zu sich nimmt, ohne seinen Lebensstil grundsätzlich zu verändern, verliert nicht automatisch Kilos: Wer sich einseitig ernährt, erreicht entweder gar keinen Effekt oder im schlimmsten Fall eine erneute Gewichtszunahme. Wer gesünderes Essen zu sich nimmt, reduziert damit nicht immer auch seine Kalorienzufuhr. In Studien konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Obst und Gemüse und einem reduzierten Gewicht noch nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Fakt ist jedoch, dass nur eine vollständige Ernährungsumstellung mit negativer Energiebilanz in ihrer Gesamtheit und Ausgewogenheit garantiert, dass Pfunde purzeln.

Wer zwischendurch isst, nimmt schneller zu

Weder in Beobachtungsstudien noch in Langzeitstudien konnte diese Annahme bewiesen werden. Am Ende des Tages kommt es nicht darauf an, wie viel zwischendurch „gesnacked“ wurde, sondern ob mehr Kalorien verzehrt als verbrannt wurden. Schließlich ist zwischendurch essen nicht schlecht, denn es können auch gesunde Snacks verzehrt werden. Es kommt auf die Zusammensetzung an.

Treppensteigen hilft gegen überflüssige Kilos

In den Medien ist oft die Rede von einer automatisierten Welt, in der Menschen ihre körperliche Aktivität auf ein Minimum beschränkt haben. Als Tipp gegen überflüssige Kilos heißt es deshalb meistens: „Nehmen Sie doch die Treppe oder gehen Sie zu Fuß!“. Wer Bewegung in seinen Alltag integriert, tue etwas gegen überflüssige Pfunde. Doch Weitwegparken und Treppensteigen sind den Forschern zufolge kein Garant für eine Gewichtsreduktion. Wenn die zusätzlich verbrauchten Kalorien dem Körper wieder vollständig zugeführt werden, ist der Effekt für die Energiebilanz gleich. Wohngebiete mit Parks und Spielplätzen tragen allerdings zu einem positiven Lebensgefühl bei den Anwohnern bei und animieren diese eher, Spazieren zu gehen oder zu joggen. Ob diese „gesunden“ Wohnbedingungen beim Kampf gegen Übergewicht wirklich helfen, konnte jedoch in keiner Studie bestätigt werden.

Neben zahlreichen Mythen und noch vielfältigeren unbewiesenen Vermutungen zum Thema Adipositas gibt es jedoch auch Fakten, die zweifelsfrei als wahr anerkannt sind. Lesen Sie darüber in unserem aktuellen Thema in der nächsten Woche.

Review von Annekathrin Härter

Schlüsselwörter: Ernährung & Diäten, Sport