Fett ist nicht gleich Fett

Seine Verteilung am Körper macht den Unterschied. Bauchfett ist besonders gesundheitsschädlich.

Trägt ein Mensch zu viele Pfunde mit sich herum, sieht man ihm das in den meisten Fällen an. Ein Blick auf die Waage und der Body-Mass-Index (BMI) geben Aufschluss darüber, ob es sich bereits um krankhaftes Übergewicht (ab einem BMI von 30kg/m²) handelt. Doch Körpergewicht und BMI sagen nichts über die Fettverteilung am Körper aus. Diese ist aber mitentscheidend dafür, wie gesundheitsschädlich Übergewicht ist. Insbesondere Bauchfett birgt ein Risiko. Doch auch das kann wiederum unterschiedlich verteilt sein – zwischen den Bauchorganen (viszeral) oder unter der Haut (subkutan). Wo die Fettdepots liegen, lässt sich nur anhand von bildgebenden Verfahren genau sagen. Warum diese Diagnoseverfahren so wichtig ist und welche Vorteile es den Patienten bietet, erklärt Matthias Raschpichler, Forschungsstipendiat am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig.

Seit zwei Jahren beschäftigt sich Matthias Raschpichler nun mit Körperfett im Allgemeinen und Bäuchen im Besonderen. „Mich interessiert die möglichst präzise Messung des Phänomens der Gewichtszunahme, der Fettverteilung und der Körperzusammensetzung“, sagt er. Wirklich präzise lässt sich dies nur mit der Magnetresonanztomographie (MRT) messen. Kein anderes bildgebendes Verfahren kann so zuverlässige Prognosen über die Fettverteilung treffen. „Das Ultraschall-Verfahren ist in dieser Hinsicht wenig fruchtbar und die Computertomographie geht mit einer zu hohen Strahlendosis einher“, erklärt Raschpichler.

Das IFB in Leipzig ist eines der wenigen Zentren, die das MRT-Verfahren zur Messung von Körperfettverteilung einsetzt. Ein präzises Bild von der Fettverteilung zu haben, kann entscheidend sein (siehe Bild 1 und 2 unten). Denn Fett ist nicht gleich Fett. Bauchbetontes Übergewicht (der Apfeltyp) stellt ein höheres Risiko dar, an Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und Bluthochdruck zu erkranken. Besonders nachteilig sind Fettdepots im Bauchraum und um die inneren Organe (viszeral), weil sie sich negativ auf den Stoffwechsel auswirken. Hüftbetontes Übergewicht (der Birnentyp), das sich durch subkutane Fettpolster an Hüften, Hintern und Oberschenkeln auszeichnet, ist dagegen weniger gesundheitsschädlich.

Es ist zwar nicht neu, dass diese Diagnostikmethode auch im Bereich der Adipositas angewandt wird. „Aber wir haben die Auswertung versucht so zu vereinfachen, dass sie auch für Nicht-Radiologen effektiv anwendbar ist“, sagt der junge Wissenschaftler. Die Frage, warum manche Patienten Bauchfett viszeral ansetzen und andere subkutan, hat die Wissenschaft bislang noch nicht klären können. „Neben Alter und Geschlecht haben hormonelle und nervale Faktoren darauf einen Einfluss. Aber welche genau, weiß man bislang noch nicht.“

Für Patienten dürften die Faktoren und ihre Mechanismen wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen. Lohnenswert für sie ist vor allem, erste Erfolge der Behandlung zu sehen. „Bilder von der eigenen Fettverteilung können Motivation sein, weiter an sich zu arbeiten, selbst wenn sich das Gewicht phasenweise vielleicht nur wenig reduziert. Anhand der MRT-Bilder ist natürlich auch sichtbar, wo Fett schrumpft und wie es schrumpft.“

Bild 1 - Im MRT-Bild zeigt sich eine eher subkutane Fettansammlung. (Das viszerale Fett erscheint hier rötlich.)
Bild 2 - Hier zeigt sich eine ungünstigere Fettverteilung mit mehr viszeralem Fett.