Schlafmangel macht dick?

Wie wichtig Schlaf für die Regeneration von Geist und Körper ist, weiß jeder. Nicht aber, dass Schlafmangel auch dick machen kann.

Wie wichtig Schlaf für die Regeneration von Geist und Körper ist, weiß jeder, der nach einer kurzen Nacht das übliche Arbeitspensum schaffen muss. Der Schlaf ist schon seit vielen Jahren Gegenstand der Forschung und am jährlichen „Tag des Schlafes“ erfahren wir, wie schlecht es um den Schlaf bestellt ist. Schlafstörungen sind zu einer Volkskrankheit geworden: Rund 20 bis 30 Prozent der Menschen hier zu Lande leiden dauerhaft unter Ein- und Durchschlafstörungen. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, haben Wissenschaftler den Schlafmangel schon länger im Verdacht, auch dick zu machen.

„Etwas Wahres ist dran“, bestätigt Prof. Dr. Hubertus Himmerich. Er und sein Team erforschen am IFB AdipositasErkrankungen, wie Schlafmangel mit den Veränderungen in der wachen Phase am Tage, mit Übergewicht und Depression zusammenhängt. „Dabei zeigt sich, dass Schlafmangel erst zu Müdigkeit und dann zu reduzierter körperlicher Aktivität führt. Gleichzeitig bewirkt Schlafmangel, dass der Leptinspiegel sinkt. Dieses Hormon wird von den Fettzellen des Körpers gebildet und steuert das Hungergefühl und den Fettstoffwechsel“, so der IFB-Experte. Bei fallendem Leptinspiegel entsteht das Signal ‚Hunger’, obwohl kein Energiebedarf besteht. Die zusätzlich aufgenommenen Kalorien enden schließlich in Fettpolstern. Bei Müdigkeit wird außerdem mehr Ghrelin produziert, ein Hormon, das den Appetit ankurbelt. Himmerich erläutert: „Wer also zu wenig schläft, ist tagsüber träge und hat vermehrt Hunger. Die Folgen, nämlich verminderte Aktivität und vermehrte Nahrungsaufnahme, sind zwei Bedingungen, die Übergewicht zur Folge haben können.“

Häufig wird Stress als Grund genannt, der den nächtlichen Schlaf stört oder ganz raubt. Bei Stress wird das Hormon Kortisol ausgeschüttet. Dieses führt zu vermehrter Wachheit, so dass die Betroffenen auch nachts nicht zur Ruhe kommen. Außerdem bewirkt Kortisol, dass sich vermehrt Fettgewebe im Bauchraum ansammelt. Dieses so genannte viszerale Fett ist wiederum ungünstig für den Stoffwechsel. Es hat sich gezeigt, dass übergewichtige Menschen, die vor allem am Bauch zunehmen, ein höheres Risiko haben, an Diabetes (Typ II) und Artherosklerose zu erkranken.

Optimal für ausgeglichene Hormonspiegel ist bei Erwachsenen eine Schlafdauer von rund sieben Stunden. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass das Risiko für überflüssige Pfunde bei vier und weniger Stunden Schlaf um 73 Prozent ansteigen kann.

Die Wirkung und Produktion der Appetit- und Sättigungshormone ist noch nicht völlig geklärt, da weitere Faktoren diese beeinflussen. Sicher ist jedenfalls: Menschen, die abnehmen möchten, brauchen genügend Schlaf.

Doris Gabel

Schlüsselwörter: Adipositasursachen