Bereits über 100 Menschen mit krankhaftem Übergewicht profitieren vom Leipziger Adipositasmanagement

Für Menschen mit Adipositas gibt es in Deutschland nur unzureichende Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb ist es ein Meilenstein, dass die AOK Plus Sachsen u. Thüringen und das Universitätsklinikum Leipzig unterstützt durch das IFB nun eine umfassende, mehrjährige Therapie anbieten können.

Das Leipziger Adipositasmanagement bietet eine umfassende Behandlung bei Adipositas. (Foto: IFB Adipositas)

Obwohl Adipositas viele Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach sich zieht, wird krankhaftes Übergewicht nicht als eigenständige Erkrankung anerkannt und folglich übernehmen die meisten Krankenkassen Behandlungen nur zaghaft. Das Universitätsklinikum Leipzig und die AOK Plus Sachsen und Thüringen haben mit Unterstützung des IFB AdipositasErkrankungen einen einzigartigen Vertrag erarbeitet, der erstmalig in Deutschland eine umfassende Therapie adipöser Kinder, Jugendlicher und Erwachsener für die Versicherten dieser Krankenkasse ermöglicht. Seit August 2014 können diese in der AdipositasAmbulanz eine umfassende mehrjährige Therapie starten. Bis Ende Oktober haben sich bereits mehr als 100 Versicherte der AOK Plus Sachsen und Thüringen, die an Adipositas leiden, für das Therapieprogramm gemeldet.

Das Behandlungsprogramm ist in einem Vertrag zur Integrierten Versorgung für adipöse Patienten von den Vertragspartnern detailliert erarbeitet worden. Eingeflossen sind die Erfahrungen der IFB AdipositasAmbulanz am Universitätsklinikum. In diesem „Leipziger Adipositasmanagement“ geht es vor allem um die fachübergreifende und strukturierte Behandlung und Betreuung von stark übergewichtigen Patienten durch Klinikum, Fach- und Hausärzte. Wie viele Patienten davon profitieren werden, wird sich noch zeigen. Jährlich stellen sich immerhin etwa 400 neue Patienten, davon rund 200 Kinder und Jugendliche im IFB AdipositasErkrankungen Leipzig vor.

Neuartig im Leipziger Adipositasmanagement sind die vielfältigen Therapiebausteine der fächerübergreifenden Behandlung. Diese reichen von der Ernährungs- und Bewegungstherapie über die psychologische Betreuung bis zur ambulanten Versorgung und werden miteinander verzahnt angeboten. Die Patienten können auch in Therapiegruppen bewährter Adipositas-Programme wie M.O.B.I.L.I.S.® oder DOC WEIGHT® teilnehmen. In medizinisch begründeten Fällen kann außerdem ein chirurgischer Eingriff erfolgen, an den sich eine langfristige individuelle Nachsorge anschließt.

Sarah Victoria Schwalm, SOP-Managerin am IFB, sieht deutliche Verbesserungen für die AOK Plus-Patienten: „Der Vorteil dieses Programms gegenüber der bisherigen Behandlung liegt vor allem darin, dass die Patienten eine mehrjährige Betreuung mit den verschiedenen Therapiebausteinen erhalten. Diese hilft nicht nur bei der Gewichtsabnahme durch eine Veränderung des Lebensstils, sondern vor allem auch bei der anschließenden Gewichtsstabilisierung. Viele unserer Patienten berichten zwar von früheren Abnehmerfolgen, doch irgendwann kam es bei den meisten zum Jo-Jo-Effekt und sie nahmen wieder zu.“

Über die langfristige Betreuung hinaus sieht Schwalm Vorteile in der stärker individuellen Behandlung: „Wir können die Bedürfnisse des Einzelnen mehr berücksichtigen. Patienten können bei Bedarf z. B. Trainings zur Stressbewältigung oder psychologische Beratung bekommen. Die langfristige und individuell angepasste Behandlung hilft dem Patienten, das Erlernte dauerhaft in sein Leben zu integrieren. Denn nur, wenn die Lebensstiländerung nicht als „Fremdkörper“ im eigenen Alltag empfunden wird, ist ein langfristiger Erfolg möglich “, erklärt die IFB-Mitarbeiterin.

Wichtig für einen Behandlungserfolg sind gemäß den Erfahrungen in der Adipositastherapie die systematische Ernährungsberatung, dokumentiertes Bewegungstraining Verhaltenstherapie, die Bereitschaft des Patienten zur dauerhaften Veränderung des eigenen Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, sowie zur lebenslangen Nachsorge im Falle eines operativen Eingriffs. Empfehlenswert ist auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen. Die sorgfältigen Auswertungen innerhalb der Behandlungspfade ermöglichen es, bei Bedarf frühzeitig einzugreifen und in Absprache mit dem Patienten Veränderungen vorzunehmen.

Ziel dieser neuen verbesserten Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeit ist es, die Lebensqualität von Betroffenen zu steigern, Brüche in der Versorgungskette krankhaft Übergewichtiger zu vermeiden, und Krankenhausaufenthalte sowie Arbeitsunfähigkeitszeiten zu verringern. Die wissenschaftliche Begleitung des zunächst fünf Jahre laufenden Vertrages erfolgt durch das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen.

Kontakt:
Informationen zum Leipziger Adipositasmanagement für Erwachsene erhalten Interessierte unter Tel.: 0341-97 12418 oder E-Mail: ambulanz [at] ifb-adipositas [dot] de.  Für Kinder und Jugendliche gibt Dr. Melanie Adler Auskünfte, Tel.: 0341-97 26242.

Das Universitätsklinikum Leipzig berichtete am 5. September 2014 über den Start des Leipziger Adipositasmanagements.

Schlüsselwörter: Adipositasbehandlung, Ernährung & diäten, Gesundheitspolitik

Doris Gabel